Wir
wachten das erste Mal in
unserer neuen Wohnung in Stuttgart- Zuffenhausen auf.
Es war
Sonntag.
Das Radio
wurde angestellt.
Wir trauten unseren Ohren nicht: Sie hatten eine Mauer gebaut.
Wir waren
Mitte Februar 1961 aus
Ost- Berlin geflohen. „Getürmt.“ wie man sagte.
Danach
folgten Lager und
Übergangswohnheime: Berlin, Uelzen, Rastatt, Freiburg. In Uelzen war
eine Halle
mit Hunderten von Hochbetten, Toiletten irgendwo draußen im Hof. Ich
kann mich
nur schemenhaft erinnern.
Alle 4
Personen lebten danach in
einem Raum mit 4 Betten, teilweise wurde meine Großmutter auch noch mit
in das
Zimmer einquartiert.
Ich wurde
von meinen Eltern für
6 Wochen getrennt, weil ich mit meiner Großmutter zu Verwandten in
Wolfenbüttel
ging. Eine Zeit mit schrecklichem Heimweh.
Dort ging
ich auch das erste Mal
nach vielen Wochen wieder zur Schule als Gastschülerin.
In
Freiburg wurde das Leben
wieder normaler. Zwar lebten wir immer noch in einem Raum, aber das
Leben nahm
wieder Formen an: Mein Vater arbeitete als Ingenieur, mein Bruder und
ich
gingen regelmäßig zur Schule.
Dann
konnten meine Eltern zwischen
Hamburg und Stuttgart entschieden. Sie wählten Stuttgart.
Mein Vater
bekam eine feste
Anstellung, wir fanden eine schöne 3- Zimmer- Wohnung und meine
Großmutter
sollte in die Nähe ziehen.
Und hier
nach der ersten Nacht
hörten wir, dass der Weg zu meinen Großeltern und meiner Tante für
immer
versperrt ist!