Annette Kunows Bilder erzählen von Angst und Leidenschaft- von Jochem
Schumann (1996)
Skurrile Figuren, verdrehte Leiber, scheinbar
hingepinselte Flächen und Konturen: Annette Kunows Arbeiten, die bis
zum 24. Mai in der WAZ- Galerie zu sehen sind, wirken unprätentiös,
spiegeln aber exakt die Befindlichkeit der Künstlerin beim
Schaffensprozess wider.
So sagt denn die Malerin auch: "Ich male alles das, was mir täglich so
passiert. In meinen Bildern finden sich Personen und Situationen
wieder, Betroffenheit, Leiden oder Ironie." Malen als Therapie? Annette
Kunow, die 1953 in Berlin geboren wurde nach mehreren Zwischenstationen
seit 1991 in Essen lebt: "Malen, beziehungsweise die Beschäftigung mit
Kunst ist immer eine Art von Therapie."
Mit meist kräftigen, komplementären Farben, nervösen, mitunter
krakeligen Linien inszeniert sie ihre ihrer klein- wie großformatigen
Bilder zu menschlichen Situationen der Angst, der Leere, der
Leidenschaft, der Unausgefülltheit. Zwar abstrahiert Annette Kunow
durchweg ihre Gestalten, verlässt aber die Realität nie in Richtung der
gegenstandslosen Malerei.
Mittelpunkt ihres Schaffens sind Körper und Gesichter, die sinnlich und
transparent zugleich den Betrachter suggestiv in ihren Bann ziehen. Die
Darstellungen wirkten prall und entziehen sich doch wieder der völligen
Vereinnahmung. Dabei wahrt Annette Kunow stets die Balance der
Kompositionen, beweist Sicherheit im Geflecht der Proportionen.
Die Malerin ist Autodidaktin. Sie absolvierte in Stuttgart ein
Bauingenieurstudium, ist Professorin an der Fachhochschule in Bochum
und besitzt eine Firma für Ingenieurberatung. Seit 1975 beschäftigt sie
sich intensiv mit der Malerei, besuchte mehrere Workshops, ehe sie vor
zwei Jahren erstmals mit einer Ausstellung an die Öffentlichkeit ging.
Der begegnet Annette Kunow seitdem mit selten zu findendem
künstlerischen Erwachsensein und gestandener Gestaltungskraft.